Gemahlen oder am Stück?

„Pulver oder Stange?“… fragte mich neulich „meine Marktfrau des Vertrauens“ als ich mir vom Gewürzstand etwas würzigen Nachschub holen wollte. Ich entschied mich für das glänzend bräunliche Pulver, da noch immer keine Zimtreibe in meinen Küchenschränken wohnt. Wobei ich mir langsam überlege, mir so ein nettes kleines Teil zuzulegen. Doch auch ohne Reibe landen die wohlduftenden Zimtstangen hin und wieder in meinem Einkaufskorb, denn sie können auch wunderbar in einigen Speisen und Getränken ganz mitverarbeitet werden.

Nicht nur im Winter Saison

Natürlich genieße ich im Winter eine frische Zimtstange in einem heißen Winterpunsch oder das Zimtpulver in knusprigen Weihnachtsgebäck oder fruchtigem Bratapfel. Allein der Duft von Zimt bringt Jahr für Jahr in der Adventszeit zahlreiche Kindheitserinnerungen hervor. Zimt hat in der kühleren und kalten Jahreszeit zwischen Oktober und März wirklich seine Hochsaison. Doch gibt es einige Speisen mit frischem Zimt, die das ganze Jahr Saison haben: meine heiß geliebten Zimtschnecken, der cremige Milchreis mit Zimt und Zucker oder die frischen heißen Zimtwaffeln mit kühlem Vanilleeis – allein bei dem Gedanken an diese Kombination der „heiß-kalten“ Gegensätze läuft mir das Wasser schon im Munde zusammen.

Zimt findet nicht nur in vielen Süßspeisen, Gebäcken und Konfitüren – vor allem in Großmutters Pflaumenmus-Rezept – seinen Platz, sondern kann auch als ein Hauch von Andersartigkeit in der Gemüsepfanne, beim Geschnetzelten oder in Aufläufen, kombiniert mit anderen Gewürzen, eine neue Geschmacksbereicherung bedeuten. Mein absoluter Sommer-Tipp ist aber frisch gekochtes Apfelmus mit zwei, drei frischen aromatischen Zimtstangen! Das ist dann immer eine wunderbare Kombination aus Fruchtigkeit und dezenter zimtiger Würze. Und im Grunde genommen könnte ich das Zimtapfelmus das ganze Jahr über essen…

Altes geheimnisvolles Gewürz: C & C

Zimt gehört als bräunliches Gewürz zu den ältesten Gewürzen dieser Erde. In der arabischen Welt hatte das edle Gewürz seine Anfänge. Der sogenannte „echte“ Zimt ist der Ceylon-Zimt (botanisch Cinnamomum zeylanicum). Auf der Insel Ceylon, die seit 1972 als Sri Lanka bekannt ist, hat er optimale „Wachstumsbedingungen“. Dabei trifft die Botanik nicht gerade so meine Kindheitsvorstellungen vom Zimtbaum, an dem lustig hunderte kleine Zimtstangenröllchen hängen, und nur darauf warten von fleißigen Händen gepflückt zu werden: NEIN, die Realität ist – wie meistens im Leben – etwas „härter“…

Zwar gibt es den besagten Zimtbaum, der rund 6-10 m in die Höhe schießt, doch die Zimtstangenröllchen wird das Auge vergebens suchen, denn es gibt sie nicht! Die Rinde des Baumes ist dagegen der „wahre“ Ursprung. Diese wird abgeschält und anschließend intensiv getrocknet. Durch den Trocknungsprozess entstehen die für Zimt typischen, gerollten Stangen mit angenehm aromatischem Duft. Vielleicht sollte ich das nächste Mal meine Marktfrau nach Zimtbaumrinde fragen?

Erst im 14. Jahrhundert kam der Zimt zu uns nach Europa und hat bis heute in Deutschland – als raffiniertes Gewürz – an Popularität nicht verloren, im Gegenteil, gerade in den letzten Jahren hat er wieder eine Renaissance erlebt, vor allem in Kaffee-, Milch- und Teegetränken. Doch der üblicherweise in Süd- und Südostasien, auf den Seychellen oder Madagaskar angebaute „echte“ Zimt hat auch einen Konkurrenten. Der Cassia-Zimt (botanisch Cinnamomum cassia), bekannt auch als chinesischer Zimt, ist sozusagen eine Art von Plagiat des echten aromatischen Gewürzes. Vielleicht sollte die nächste Frage an meine Marktfrau doch eher in Richtung C oder C gehen: „Ceylon oder Cassia“?